Pressemitteilung

Pressemitteilung im Rahmen der E-world 2026

11-02-2026

Energy Traders Deutschland: Starker Markt als Grundlage für effiziente Ergebnisse – gutes Marktdesign macht den Unterschied

 

Pressekonferenz von Energy Traders Deutschland im Rahmen der E-World 2026

Essen, 11. Februar 2026 – Ein passendes Marktdesign setzt klare Investitionsanreize und ermöglicht eine effiziente Abstimmung von Angebot und Nachfrage auf den Strom- und Gasmärkten. Für die Weiterentwicklung – sei es bei der Netzentgeltreform im Strommarkt oder den Rahmenbedingungen für die Versorgungssicherheit im Gasmarkt – sollte stets gelten: den Markt stärken statt beschränken. So können effiziente, nachhaltige Ergebnisse entstehen, die Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität langfristig sichern – zum Vorteil von Verbrauchern, Umwelt und Wirtschaft.

 

STROMHANDEL

Netzentgeltreform Strom: Großhandelspreis muss zentrales Preissignal bleiben

Energy Traders Deutschland begrüßt ausdrücklich, dass die von der Bundesnetzagentur vorgelegten Orientierungspunkte die Finanzierungs- und Anreizfunktion klar trennen und anerkennen, dass die Auswirkungen auf das Verhalten der Netznutzer bei der Finanzierung möglichst gering gehalten werden sollen.

Der Großhandelspreis ist das wichtigste Preissignal für Marktteilnehmer, um Angebot und Nachfrage im Strommarkt auszugleichen. Der Energiehandel begrüßt, dass die Bundesnetzagentur mit der Netzentgeltreform die Belastung von Arbeit senken und die Netzkosten bei Kunden oberhalb der Niederspannung hauptsächlich durch einen Kapazitätspreis abbilden will. Dies verringert die verzerrende Wirkung von Netzentgelten und erhöht die Kostenreflexivität. 

„Der Großhandelspreis sorgt für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage und ermöglicht durch liquide Kurz- und Langfristmärkte eine verlässliche Preisabsicherung. Deshalb muss er auch nach der Netzentgeltreform als maßgebliches Preissignal erhalten bleiben. Dafür setzen wir uns als Verband der Energiehändler in Deutschland ein,“ erklärt Konrad Keyserlingk, Vorsitzender der German Task Force Electricity. „Bei der Ausgestaltung zusätzlicher Anreize sollte deshalb darauf geachtet werden, die Flexibilität der Netznutzer nicht unnötig einzuschränken.“

Die von der Bundesnetzagentur vorgesehene Anreizfunktion eines dynamischen Arbeitspreises in der Netzentgeltsystematik eröffnet Chancen, birgt aber auch erhebliche Risiken. Werden Grenzkosten durch den kurzfristigen Faktor unkalkulierbar, kann dies Handelsentscheidungen, Marktliquidität und effiziente Preisabsicherung deutlich erschweren. Ob die vorgeschlagene Ermittlung des dynamischen Netzentgelts auf Basis erwarteter vermiedener Redispatch-Kosten überhaupt möglich ist, darf infrage gestellt werden. Deshalb sollte zunächst eine Kosten-Nutzen-Analyse klären, ob dynamische Netzentgelte effizienter sind als der Redispatch – unter Berücksichtigung notwendiger Verbesserungen - und tatsächlich dazu beitragen können, die Redispatch-Kosten zu senken. 

Wir beobachten mit Sorge die Aussagen der Bundesnetzagentur, Stromspeicher- und Erzeugungsanlagen stärker mit Netzentgelten zu belasten. Der energiewirtschaftliche Nutzen ist zweifelhaft und die Auswirkungen auf die Investitionsbasis würden den notwendigen Ausbau von Stromspeicheranlagen riskieren. 

Die Stellungnahme von Energy Traders Deutschland zum ersten Orientierungspunkte-Papier der Bundesnetzagentur finden Sie hier zum Download.

 

Kurzfristiger Stromhandel: Marktbasierte Lösungen statt Markteingriffe

Kurzfristige Netzengpässe stellen für Übertragungsnetzbetreiber eine wachsende Herausforderung im Betrieb des Übertragungsnetzes dar. Erste Überlegungen der ÜNB konzentrieren sich jedoch darauf, die Handlungsspielräume von Anlagenbetreibern, Flexibilitätsanbietern und Energiehändlern einzuschränken. Dabei wird der Energiehandel bislang zu oft eher als Problem gesehen – obwohl er ein zentraler Hebel ist, um Prognosefehler auszugleichen, Flexibilität zu mobilisieren und so aktiv zur Lösung beizutragen.

„Energy Traders Deutschland unterstützt klare marktbasierte Maßnahmen zur Stabilität des Stromsystems. Zusätzliche technische Auflagen und Einschränkungen beim Marktzugang lehnen wir hingegen ab“, stellt Konrad Keyserlingk fest.

Zusätzliche Rampenvorgaben und partieller zentraler Dispatch, wie sie von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern vorgestellt wurden, bremsen flexible Anlagen genau dann, wenn deren Reaktionsfähigkeit für das System am wichtigsten ist.  

Zu den Überlegungen der Übertragungsnetzbetreiber zu deterministischen Leistungsbilanzabweichungen und Rampenvorgaben stellen wir fest:

 

  • Wir erkennen die Herausforderungen für das Stromnetz an und teilen die Einschätzung, dass mehr Flexibilität notwendig ist, um Systemstabilität zu sichern.
  • Wir befürworten marktbasierte Lösungen zur besseren Abstimmung von Stromflüssen, zu denen kürzere Handelsintervalle, eine bessere Ausgestaltung der Regelreserven sowie schnellere Systemdienstleistungsprodukte gehören.
  • Wir lehnen zusätzliche Einschränkungen von Marktteilnehmern wie Rampenvorgaben oder den partiellen zentralen Dispatch ab. Diese Konzepte behindern flexible Anlagen, bremsen Investitionen in Flexibilität und verschärfen regionale Unterschiede.
  • Wir fordern einen offenen und strukturierten Branchendialog, um transparente und verlässliche Regeln zu schaffen. Nur so lassen sich Unsicherheiten reduzieren und Investitionen in dringend benötigte Flexibilität nachhaltig fördern.

Hierzu werden wir zeitnah ein detailliertes Positionspapier veröffentlichen.

 

GASHANDEL

Versorgungssicherheit Gas. Speicher. Markt.

Trotz niedriger Gasspeicherstände ist die Versorgungssicherheit derzeit gewährleistet. Gashändler sowie -vertriebe haben ihre Mengenrisiken bereits umfassend abgesichert. Diese Absicherung erfolgt u.a. durch langfristige Lieferverträge, eine strukturierte Portfolio-Beschaffung, die Nutzung vorhandener Flexibilitätsquellen sowie spezielle Temperaturprodukte auf physischer Basis. Sollte die Nachfrage nach Erdgas steigen, stehen dem Markt neben den Speichern weitere Flexibilitätsquellen wie ein erhöhtes LNG-Angebot und diverse Beschaffungsoptionen über den europäischen Binnenmarkt zur Verfügung. Geopolitische Risiken werden durch eine breite Diversifizierung der Bezugsquellen abgefedert. 

Flexiblere Vorgaben zur Befüllung von Gasspeichern stärken den Markt

Die in der Energiekrise eingeführten Füllstandsvorgaben für Gaspreise haben sich in der Krisensituation 2022 als sinnvoll erwiesen, passen aber nicht mehr zur aktuellen Marktsituation, die durch ein breiter diversifiziertes Angebot geprägt ist. In einem ersten Schritt wurde die Gasspeicherfüllstandsverordnung sowie die europäischen Vorgaben flexibler gestaltet – eine Anpassung, die den Markt wieder stärker in die Verantwortung zieht und dieser auch nutzt.

Felix Müller, stellvertretender Vorsitzender der German Task Force Gas erklärt: „Der Energiehandel steht Markteingriffen grundsätzlich kritisch gegenüber. Lösungen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit sollten das Marktgeschehen so wenig wie möglich negativ beeinflussen.“  Die derzeitigen Füllstandsvorgaben wirken in der jetzigen Marktlage marktverzerrend und sollten nicht fortgeführt werden. Die Aufgabe des Marktes ist es, die von den Kunden benötigte Flexibilität über verschiedene Produkte zu bestmöglichen Konditionen bereitzustellen – dies gelingt ohne regulatorische Eingriffe am besten.

Unsere Mitgliedsunternehmen sichern ihre Portfolios im Rahmen üblicher Szenarien ab und tragen damit wesentlich zur Versorgungssicherheit bei. Ob das vom Markt bereitgestellte Versorgungssicherheitsniveau dem politisch gewollten Zielniveau entspricht, kann nur in einer breiten öffentlichen Debatte geklärt und schlussendlich von der Bundesregierung entschieden werden. Energy Traders Deutschland unterstützt die Diskussion und wir beteiligen uns konstruktiv an der Entwicklung von Lösungsansätzen.

 

EU-Methanemissionsverordnung: Chancen und Herausforderungen für den Energiehandel

Die EU-Methanemissionsverordnung (MER) ist ein wichtiger Schritt, um Klimaziele und globalen Energiehandel in Einklang zu bringen. Sie schafft mehr Transparenz zur Methanintensität von Gasimporten, was wir grundsätzlich begrüßen.

Die Umsetzung der MER stellt die Branche jedoch vor große Herausforderungen: Komplexe technische Anforderungen, enge Fristen und regulatorische Unsicherheiten erschweren die praktische Umsetzung. Besonders die Rückverfolgbarkeit von Gasimporten bildet eine zentrale Herausforderung, für die Energy Traders Europe gemeinsam mit anderen Verbänden einen Lösungsvorschlag vorgelegt hat.

Wir fordern gezielte Anpassungen in der MER, um deren Umsetzung praktikabler und marktorientierter zu gestalten. Die Verpflichtung zur regelmäßigen Messung, Überwachung und Berichterstattung von Methanemissionen befürworten wir, allerdings sind noch offene Fragen zur praktischen Umsetzung vor deren Inkrafttreten zu klären.

„Um eine harmonisierte und zeitnahe Umsetzung zu gewährleisten, muss die Europäische Kommission konkrete Leitlinien für alle Mitgliedstaaten bereitstellen,“ fordert Felix Müller. „Zudem regen wir eine europaweit einheitliche Übergangsfrist für das Inkrafttreten von Sanktionen mit angemessenen Grandfathering-Regelungen an, um Planungssicherheit bis zur Konkretisierung der Vorgaben zu gewährleisten. Dazu wäre die Einführung eines sogenannten “Stop-the-clock"-Mechanismus notwendig, um einen ausreichenden zeitlichen Vorlauf für die praktische Implementierung zu gewährleisten. Es muss gelingen, Methanemissionen im Energiesektor effektiv zu reduzieren, ohne dabei den Handel und die Versorgungssicherheit unnötig zu belasten“.